Statement des VST-KRITIS zum Stromausfall in Berlin

Der Stromausfall in Berlin macht deutlich, wie wichtig eine widerstandsfähige und gut vernetzte Energieinfrastruktur für das Funktionieren unserer Städte und die Energieversorgung der Bewohner ist. In Situationen wie diesen zeigt sich, dass Resilienz und Redundanzen in unseren Versorgungsnetzen zentrale Rollen spielen, um die Versorgungssicherheit für die Bevölkerung und Wirtschaft mit Strom, Wasser und Gas gerade im Ernstfall zu gewährleisten. Wenn plötzlich das Licht ausgeht, wird sichtbar, was sonst unsichtbar zuverlässig funktioniert. Auch wenn technische Störungen – oder leider nun verstärkt Sabotageakte – in komplexen Versorgungssystemen nie vollständig auszuschließen sind, zeigt jetzt dieser aktuelle Sabotage-Vorfall, dass Redundanzen, klare Notfallprozesse und eine enge Abstimmung zwischen Netzbetreibern, Behörden und kritischen Einrichtungen entscheidend bleiben.

Grundsätzlich ist es aber so gut wie unmöglich, unsere Versorgungsinfrastrukturen zu 100% gegen Angriffe zu schützen. Weder in der Stadt noch auf dem Land. Es gibt allein rund 500.000 Strommasten in Deutschland in der Fläche – diese eine Zahl mag verdeutlichen, welchen Herausforderungen wir uns stellen müssen. Die jetzt oder auch beim ersten Anschlag im letzten Jahr zerstörten Komponenten liegen leider nicht ‚auf Lager‘, sondern müssen teilweise hergestellt und von den Kollegen vor Ort schrittweise wieder aufgebaut werden. Übrigens auch das unter widrigen Wetterbedingungen im Moment.

Der Stromausfall infolge des Sabotageaktes zeigt – trotz aller Unannehmlichkeiten der betroffenen Anwohner, die in der augenblicklichen Wintersituation wahrlich einiges aushalten müssen: Saboteure können punktuell stören. Sie können Prozesse unterbrechen, Menschen verunsichern und Abläufe durcheinanderbringen. Aber langfristig werden sie uns nicht schwächen. Was kurzfristig vielleicht wie ein Rückschlag wirken könnte, wird langfristig jedoch ganz eindeutig zu einem Treiber für Security und Resilienz. Unsere Energieversorgungsinfrastruktur ist stark – aber wir müssen Redundanzen und Schnittstellen weiter verbessern und resilienter machen. Dieser Aufgabe stellen wir uns als spartenunabhängiger Verband von Transport- und Verteilnetzbetreibern in Deutschland und arbeiten momentan daran mit ganzer Kraft. Zusammen mit anderen Branchenverbänden, aber auch mit Institutionen auf Bundes- und Landesebenen sind wir in Gesprächen, um die notwendige Koordination und Kooperation weiter zu optimieren. Es fehlt hier jedoch eindeutig ein zentraler und koordinierender „Ziviler Operationsplan Deutschland“. Mit konsequenter Weiterentwicklung von Resilienz- und Sicherheitsstandards bleibt Deutschland gut aufgestellt, um auch künftig zuverlässig versorgt zu sein.

Ein aufrichtiger Dank an Polizei, THW, Rettungsdienste, Feuerwehr, Bundeswehr und Netzbetreiber aus dem gesamten Bundesgebiet sowie viele ehrenamtliche Helfer vor Ort in Berlin. Mit großem Einsatz, mit Personal und Material, wurde solidarisch geholfen – in der Nachbarschaft und über Grenzen hinweg, Hand in Hand. Dieses Engagement zeigt, was es bedeutet, füreinander da zu sein, wenn es darauf ankommt – im Dunkeln, in Eiseskälte, im Stress, im Ernstfall!